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Archiv für die 'Ägypten' Kategorie

Ägypten: Lagunen und Luxor

Ägypten, schon die Vorbreitung auf die Reise in das Land der Pharaonen ließ erahnen welch einen geschichtsträchtigen Boden wir betreten werden.

Die Magie Ägyptens beflügelt jeden und oftmals ist zunächst ein gewisser Tut- Ench- Amun daran schuld. Der junge Gottkönig, Pharao, dessen Grabmal der englische Archäologe 1928 im Tal der Könige entdeckt hat. Von Luxor aus ist es nur ein Katzensprung in das atemberaubende Tal, dem Reich des Todes. Einmal über den Nil, aber bis dahin war es noch eine Weile hin. Flughafen Hamburg. Das erste Tagesziel war schnell geschafft Der vollbesetzte Airbus flog uns zunächst nach Hurghada und diese Stadt am Roten Meer hat erst einmal nichts von den Bildern die uns von Ägypten geläufig sind. Vom Flughafen fuhren wir mit einem Taxi zu unserem Geisum Village Hotel. Eine Woche wurde es unser Ausgangspunkt für den Besuch von Basaren und Tagesexkursionen zu den schönsten Tauchplätzen im Roten Meer. Sie aufzuzählen hieße Eulen nach Athen tragen, doch eines haben sie alle gemeinsam und zwar eine Korallenwelt die selbst die gewaltigen Pyramiden Kairos vergessen lässt, der Hauptstadt Ägyptens. Die Ausflüge gestalteten wir individuell, indem wir uns einen örtlichen Führer buchten. Dieser Mann brachte uns nicht nur einige Gebräuche und Sitten Ägyptens bei, sondern auch einen Humor der in der arabischen Welt seines Gleichen sucht.

Die täglichen Tauchgänge zeigten uns dann eine Vielfalt an Riffen und Fischen wie sie es sie nur an wenigen Orten unserer Erde gibt, wobei wir die Probleme dieser überlasteten Natur ebenso zu sehen bekamen. Das Bemühen der Ägypter die Qualität des Meeres zu erhalten sind jedoch erwähnenswert und zwangsläufig notwendig. Wir genießen die Ausflüge und finden an den ausgedehnten Stränden Erholung die längst überfällig war. Die Hitze machte uns allerdings zu schaffen. Anfang Mai war zu spät für eine Reise nach Ägypten, dennoch, Ägypten wäre nicht Ägypten wenn es selbst die körperlichen Strapazen in Luft auflöst und dafür sorgte die Stadt Luxor.

Der kurze Flug von Hurghada nach Luxor, über weite Wüstengebiete, ließ uns nochmals an Turtle Bay erinnern, der faszinierenden Lagune und seinen Artenreichtum. Doch der Anflug auf Luxor beendete die Gedanken an den größten Oktopus unserer Tauchgänge, den verspielten Delfinen und den Haien, denn der Luxortempel trat aus einigen hundert Metern Höhe in unseren Blickbereich. Die kolossalen Säulen nahmen uns gefangen und auf dem abendlichen Spaziergang, vom in der nähe gelegenen Hotels Etab, wurde es nun Gewissheit. Wir waren in Ägypten, unserem Ägypten, dem Ägypten seiner Historischen Tempel und Gräber, seiner unverwechselbaren Götterwelt. Amun, der Sonnengott, verwöhnte uns schon seit einer Woche und Osiris, der Totengott? Ihm sollten wir im Tal der Könige begegnen, am darauf folgenden Tag. Wir ließen uns mit einer Fähre über den Nil bringen. Voll beladen und mit einem ohrenbetäubenden Lärm tuckerte der Kahn an die andere Nilseite. Schreiende, badende Kinder, waschende Frauen, Garküchen, feilschende Händler, aufgebrachte Verwandte die sich gegenseitig begrüßten, beschimpften, lachten, machten uns ziemlich Wirr und wir wussten zunächst nicht wie es Weitergehen sollte. Der Gestank zwischen alldem Mengegelage erweckte die Sehnsucht nach unserem Fischerboot, welches uns bei Sonnenschein und salzhaltiger Brise zu unseren Tauchplätzen brachte.

Jedoch, just in dem Augenblick als das Chaos am Nilufer am größten wurde, packte mich ein junger Ägypter und führte uns schwatzend zu seinem Taxi. Nun, Taxi wäre zu viel gesagt. Es erinnerte eher an einem frisch aufgemotzten Schrotthaufen der innen überhäuft von kitschigem Figürchen und Fähnchen und allerfeinstem Plüsch für unsere Hintern. Doch es siegte das lächelnde Gesicht von Hassan dem Taxifahrer und seiner Einladung uns zu den attraktivsten Gräbern zu führen. Er überraschte uns zudem mit seinem Führertalent und seinem Wissen zu den Gottkönigen, sowie den hervorragenden Englischkenntnissen.

Er offenbarte uns das Tal der Täler wie es nur jemand aus Ägypten tun kann und es lohnte wieder einmal einen unkonventionellen Weg einzuschlagen. Ägypten auf eigene Faust. Ägypten und seine Erfahrung mit Reisenden ist nämlich fast so alt wie Ägypten selbst und das Vertrauen das wir in unsere örtlichen Hobbyführer gesteckt haben wurde reichhaltig belohnt. Die zweite Woche in Luxor wurde der Höhepunkt unserer Reise und der Tempel von Karnak erschöpfte uns ebenso wenig wie der Hatschepsut Tempel.

Der Nil mit seinen vielen Schiffen, Booten und Feluken begeisterte und die kulinarischen Köstlichkeiten Ägyptens ergänzten unsere Sinnesreize auf prächtige Weise.

Die fünftausend Jahre alte Geschichte Ägyptens, aus vielfältigen Büchern heraus gefiltert, war jedoch wahrhaftig von Nöten, will man nicht völlig Unwissend vor den Denkmälern der Geschichte stehen. Uns war natürlich durchaus bewusst, dass wir auf unserer zweiwöchigen Urlaubsreise nach Ägypten keine Ägyptologen werden und schon gar keine Archäologen wie der berühmte Howard Carter. Doch es beschlich einem dort immer das Gefühl, dass man ein Grab entdecken könnte, dass man mehr ist als nur ein gewöhnlicher Tourist. Vielleicht liegt es ja an der schlitzohrigen Freundlichkeit seiner Einheimischen und den Gerüchen, der Landschaft, wo Leben und Tod so nah beieinander wohnen. Die Palmen, die grünen Teppiche die so dicht an der Wüste grenzen sind eindrucksvoll und verändern den Reisenden auf geheimnisvolle Weise. Uns war am letzten Tag der Reise klar, dass wie wieder zurückkommen nach Ägypten, denn es hat uns das unheilbare Ägyptenfieber gepackt.

Geschrieben von Reiseberichte am Dienstag 30. Januar 2007